Back to the roots



Der schönste Moment des Tages ist jetzt am frühen Morgen (es ist 6:00).


Ich sitze draußen, einen Espresso vor mir, eine fast geräuschlose Stille hüllt mich ein, außer ein bisschen Vogelgezwitscher ist nichts zu hören. Der Frieden und die Ruhe sind körperlich spürbar.


Es ist allein meine Zeit.





Nach 2 Wochen gemeinsamen Motorradfahrens mit meiner Reisebegleiterin wird es Zeit ein erstes Resümee zu ziehen.

Was mir gefällt: ich habe jemanden zum Quatschen, ich habe in schwierigen Situationen Hilfe (z.B. beim Motorrad zurückschieben), ich muss nicht im Restaurant alleine sitzen und essen.

Was mir nicht gefällt: ich muss auf die Interessen des Anderen reagieren (das liegt nun mal in meiner Natur), ich bestimme nicht mein eigenes Tempo (und damit meine ich nicht das Fahrtempo), ich muss quatschen, ich muss mich mit Themen auseinander setzen, auf die ich mitunter keine Lust habe.







Ich habe die ganze Aktion ‚mywayout‘ genannt und das war, wie fast immer bei mir, eine spontane Eingebung, aber es trifft den Nagel auf den Kopf.










In meinem einundsiebzigsten Lebensjahr, nach über 50 Jahren Arbeit und Aktion, habe ich mich entschlossen, alles hinzuwerfen und einen neuen Weg für meinen vermutlich letzten Lebensabschnitt zu beschreiten.




Den muss ich aber erst mal finden. Und das ist nicht ganz so einfach.







Zunächst das Loslassen. Es sind ja nicht nur die Dinge und Gegenstände, die ich im Laufe meines Lebens angesammelt habe.

Woran hänge ich?

Was will ich nicht weggeben?

Darüber zu diskutieren ist mir oft schon zuviel.

Allein ein achtlos gesagtes: Naja, irgendwo braucht man ja eine Platz,

oder: es gibt ja immer Dinge, die einen erinnern und die man aufheben muss.

Wer sagt, dass ich den Platz nicht nicht schon längst in mir gefunden habe?



Heimat???


Zum Thema Heimat habe ich nie einen richtig Zugang gefunden, ich fühle mich wurzellos.

Genauso Wohnung. Ich habe eine schöne Wohnung, in der ich gerne bin, wenn ich dort bin. Sobald ich aber an einem anderen Ort bin, sei es in Afrika oder auf Reisen, fühle ich mich dort wohl und vermisse meine Wohnung kein bisschen.


Und jetzt, wo ich in Hannover bin, will ich wieder aufbrechen.



Ich brauche Zeit um meine Ruhe zu finden, herunter zu kommen, wie es so schön heißt.

Eine Reise mit dem Motorrad erscheint mir dazu geeignet, aber ich muss diese Reise, zumindest am Anfang, alleine machen.

Sonst bin ich zu sehr abgelenkt und zu wenig mit mir selbst beschäftigt. Ich will mich auf das Nötigste reduzieren.

Ich weiß oft bei den einfachsten Dingen nicht, was richtig und was falsch ist, ich versuche zu ergründen, was ich will, was mir gut tut.


Inzwischen ist es 7:00, die ersten Autos fahren durchs Tal, eine Motorsäge knattert .

Die Zeit der Stille ist vorbei.


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