Gardasee



Samstag morgen 4:50 Ortszeit.

Still liegt der Gardasee unter mir.

Es es piept ein Matz auf dem Aste.

Zeit der Ruhe und Kontemplation.




Tag 4 meiner Probefahrt.

Langsam, ganz langsam komme ich bei mir an.

Die ersten Tage war bestimmt von der Gewöhnung an das riesige Motorrad. Ich war so mit Fahren beschäftigt, dass ich überhaupt kein Gefühl für die neue Situation entwickeln konnte.

War ja auch ziemlich viel los in der letzten Zeit.


In Afrika bin ich sehr viel geflogen, teilweise 2 Missions am Tag. Dann der Heimflug und kaum angekommen, ging die Vorbereitung auf die Abfahrt los.

Freunde treffen, ich hatte an den insgesamt 5 Tagen in Hannover 5 Verabredungen, verbunden mit dem ungewohnten Trinken von Alkohol lassen nun mal keinen Erholungszustand erwarten.

Überhaupt merke ich immer wieder, dass Alkohol mir nicht gut tut. Auch wenn ich nicht sehr viel trinke, spüre ich doch einen Unterschied zu den alkoholfreien Zeiten. Ohne Alkohol bin ich ausgeruhter und fühle mich frischer und habe mehr Energie.

Aber ich lasse mich immer gerne verleiten und es geht sehr schnell, da bin ich schon wieder beim täglichen Trinken. Ein Bierchen zum Feierabend, ein Gläschen Wein - wir verniedlichen den Suff immer allzu gerne. Eindeutig Suchtverhalten!



Dazu kamen die Dinge, die zu erledigen waren.

Ich habe es geschafft, die Verwaltung für das Flugzeug abzugeben, obwohl mir es schon schwer fiel, bedeutet es doch, noch ein Stück Verantwortung abzugeben. Schließlich habe ich mich in den letzten 50 Jahren vorwiegend über Arbeit definiert.

Ein sehr nettes Gespräch mit dem Flugzeugbesitzer, bei dem er sich noch einmal wirklich großzügig zeigte und eine anschließende Abschiedsmail an die Kollegen, Übergabe aller Unterlagen an meinen Nachfolger und das Thema war erledigt.

Nebenbei noch diverse Kündigungen für Telefon und alle möglichen Abos verfassen. Und natürlich am Motorrad rumschrauben.

Da waren die Tage mehr als ausgefüllt.


Am Mittwoch ging es dann los, endlich war die BMW fertig beladen - Aufsteigen war nur mit Leiter möglich - und dann fuhr ich endlich auf die Autobahn nach Süden.

Kaum 30 km gefahren, flog, bei 150 km/h auf der Überholspur, das Handy mit einem Grinsen auf dem Display im hohen Bogen davon. Also von ganz links nach ganz rechts auf den Standstreifen und 500 m zurückgelatscht, da lag das gute Stück, Gesicht nach unten, auf der rechten Fahrspur und ich konnte live mit erleben, wie mindestens 2 riesige LKWs drüber fuhren. Innerlich sah ich mich weiteres Geld für ein neues Handy ausgeben.

Ich brauchte bloß 10 Minuten zu warten, bis endlich für kurze Zeit kein LKW angesaust kam und schon konnte ich mit einem kurzen Sprint das teure Stück von der Fahrbahn klauben. Und glaubte es kaum: außer ein paar Schrammen in der aufgeklebten Panzerfolie und den Reifenspuren auf der Hülle wies das Ding keine Beschädigung auf. Wieder angebracht am Moped, diesmal richtig befestigt und alles war gut.


Kurz vor dem Ziel legte ich die BMW dann beim Abstellen auf die Seite um festzustellen: der SOS Notruf funktioniert - BMW meldete sich sofort - und das Motorrad ist doch sehr hoch. Also eierte ich weiter.

Am Tag 2 lag dann eine Fahrt - zur Minimierung des Regenanteils über die Autobahn - nach Mutters bei Innsbruck an. Immer noch war ich sehr mit der Beherrschung des Motorrades beschäftigt.

Am 3. Tag lief es dann schon besser, das Monster ließ sich mit einer Leichtigkeit durch die Kurven bewegen, die einem Fahrrad angemessen wären. Wir nähern uns an!

So konnte ich dann auch erstmalig spüren, dass die Reise begonnen hat.

Ein klein wenig Arbeit holte mich aber noch ein. 2 Anrufe konnte ich unter dem Helm beim Fahren erledigen, aber das dürfte ich auch bald hinter mir lassen.


Mein Ziel für die nächsten Tage: Ankommen bei mir, beim Reisen, eine Flow entwickeln und zur Ruhe kommen.






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