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  • martin

Zweifel und Glück

In den letzten Tagen beschleicht mich immer öfter die Angst, mein Ziel aus den Augen zu verlieren.

Es war sehr viel zu tun hier im Job, teilweise 2 Flüge pro Tag und ich muss gestehen, es ist doch anstrengend, auch wenn es den Anschein erweckt, als Pilot sitzt man ja nur im Flugzeug herum und hat wenig bis nichts zu tun.

Selbst ich verfalle gerne diesem Klischee, um dann allerdings festzustellen, daß dem doch nicht so ist.

Nichts desto Trotz beansprucht der Einsatz hier mich in einem Maße, dass es mir manchmal schwer fällt, mich des Glücksgefühls zu erinnern, das mich sonst erfüllt, wenn ich an die Reise denke.

Die Vorstellung allerdings, in nunmehr 18 Tagen - ich zähle bereits die Tage rückwärts, wie es Soldaten zum Ende ihrer Dienstzeit zu tun pflegen - mein Berufsleben ein für alle Mal zu beenden und meinen letzten beruflichen Flug anzutreten, ist schon sehr unwirklich.


Gut, einen Urlaub vor Augen, das kenne ich ja, auch ein schönes Gefühl.

Aber so endgültig, für immer? Ich kann es mir nicht recht vorstellen. Schon habe ich die Vorstellung, dass ich nach einiger, nicht allzu langer Zeit, die Fliegerei vermissen könnte. Und natürlich unkt mein Umfeld hier: ach, im Herbst, spätestens im nächsten Jahr sehen wir uns hier wieder.

So ähnlich, stelle ich mir vor, kommt es zum 2. und 3. Comeback von Künstlern nach deren allerletzten Abschiedstournee.

Spätestens an diesem Punkt beginne ich, auf Heftigste zu widersprechen.


Wie wohl mein Umgang mit meinen eigenen Zweifeln meist darin besteht, so heftig und lauthals mein Vorhaben zu bekräftigen und meine Entschlossenheit zu betonen, dass ich ohne gefühlten Gesichtsverlust die einmal vertretene Position nicht mehr aufgeben kann.

Nach dem Motto: solange große Lippe riskieren, bis ich gar nicht mehr anders kann.

So habe ich vor 35 Jahre auch mit dem Rauchen aufgehört: unter den Kumpels dermassen auf die Sahne gehauen mit meinen Fähigkeiten, damit aufhören zu können, ganz im Gegensatz zu deren charakterlichen Schwächen, dass ich mich nie mehr mir einer Zigarette hätte blicken lassen dürfen.

Hat bis zum heutigen Tag vorgehalten!

Doch die Vorstellung, in absehbarer Zeit mal wieder einen Bruch im Leben zu riskieren, bringt eine ungeheure positive Spannung mit sich. Eine Woge der Energie strömt dann durch mich, so wie ich sie nur aus Momenten größter Verliebtheit kenne.

Und solche Momente sind leider viel zu selten und ausserdem viel zu lange her.


Man stelle sich vor, ein riesiges warmes Glücksgefühl, das körperlich spürbar ist, das sich bei mir paart mit einer mindestens genau so großen Sehnsucht.

Diese Sehnsucht ist mir ein lebenslanger Begleiter.


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